Karibu Kenya!!

(David) Von Westeuropa aus betrachtet ist Kenia eine vollkommen andere Welt. Das stellten wir schon kurz nach unserer Ankunft fest, als wir durch die Straßen von Nairobi zu unserem Quartier fuhren. Über Schotter- und Schlammpisten bewegen sich dort vor allem hoffnungslos überfüllte, „Matatu“ genannte Sammeltaxis, aber ansonsten auch jedes andere erdenkliche Fortbewegungsmittel zwischen Eselskarren und Limousine. Einmal sahen wir zwei Fahrradfahrer, die sich auf der Schnellstraße mittels einer Drahtschlinge an einem LKW angekoppelt hatten. Durch dieses ganze Chaos kutschierte uns unser allerbester Sam souverän in unserem sardinenbüchsengroßen, roten Hakuna Matatu, auf dessen Dach wir unser Gepäck schnallten.

Die ganze Gruppe vor ihrem Bus

Der Redensart „Dort ticken die Uhren anders“ kommt in Kenia eine durchaus wörtlich zu nehmende Bedeutung zu: Zeit stellt eher eine symbolische Größe dar, und so konnten sich während eines normalen Tages schon mal vier oder fünf Stunden Verspätung ansammeln. „Pole, pole“, zu Deutsch: „Nur die Ruhe!“ ist das vorherrschende Motto, aber ich finde diese Art von Entschleunigung im Grunde mitunter ganz angenehm.
Wichtigstes Besitztum in Kenia, was sogar viele Slumbewohner ihr Eigen nennen, ist eindeutig das Handy. Vor allem Titus und unser Busfahrer Sam machten zeitweise den Eindruck, in Nebenberuf ein Ein-Mann-Callcenter zu betreiben. Überhaupt telefoniert der Kenianer an sich quasi ständig, und wenn er sein Handy gerade nicht am Ohr hat, dann surft er damit auf Facebook. Handy- und UMTS-Netze existieren quasi flächendeckend, und auch für unseren Blog-Computer war weniger die Internetverbindung als vielmehr der Akku der begrenzende Faktor.
Was das Essen angeht, ist man in Kenia wenig experimentierfreudig: Praktisch immer und überall gibt es Ugali, einen riesigen Kloß aus Maismehl, aus dem man sich Stücke abbricht, Scumawiki, ein bitteres Kohlgemüse und dazu Chapati, pfannkuchenartige Teiglinge. Zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel dem Besuch von 27 Mzungus, wird auch gerne mal eine Ziege geschlachtet (die Menschen in Kenia sind unglaublich gastfreundlich), aber normalerweise besteht das Essen eben aus Ugali, Scumawiki und Chapati. Einmal hat Steve bei meiner Kochgruppe mitgegessen, weil wir mit Champignons kochten – er kannte sie zwar, hatte aber zuvor noch nie probiert. Ab sofort will Steve öfters Champignons auf seinen Speiseplan nehmen.

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(Jacky) 05:15 h klingt der Wecker in unserem Zelt. Als wir den Kopf aus der Kohte strecken, können wir gerade den Sonnenaufgang über der Maasai Mara beobachten: binnen zehn Minuten steht die Sonne hoch oben am Himmel. Nach kurzem Waschen gibt es noch schnell einen Kaffee und eine Banane für jeden und dann steigen wir auch schon in unseren Hakuna Matatu und machen uns auf den Weg zu unserem heutigen Tagesziel: Eine Safari!
Voll freudiger Erwartungen und total aufgeregt fahren wir mit unserem Bus über den holprigen Weg Richtung Maasai Mara. Von Anfang an bekommen wir tolle Tiere zusehen. Zebras, Gnus, Antilopen, Warzenschweine (!!!) und Elefanten! Direkt neben unserem Bus läuft eine Elefantenfamilie vorbei. Es ist so unglaublich! Hinten am Horizont sehen wir viele Safari-Jeps, unser Busfahrer Sam schaltet sofort und fährt in diese Richtung – und was wird dort sehen können wir noch gar nicht richtig begreifen: Echte Löwen liegen, geschützt vor der Sonne, hinter Büschen! Es ist so faszinierend, ich bin mir sicher, das werden wir niemals vergessen. Nicht weit davon entfernt sehen wir auch noch einen Geparden gemütlich durch die Maasai Mara streifen.
Unsere zweite Safaritour, der Evening Drive, startet am Nachmittag. Hierbei können wir uns nochmal vergewissern, dass wir die am Morgen gesehenen Tiere auch wirklich gesehen haben… Um vielleicht auch in den Geschmack des Anblickes eines echten Nashorns zu kommen, nimmt Sam eine Abkürzung, die uns leider in eine heikle Lage bringt: Unser Bus steckt total schief in einem Loch fest!Also alle Jungs aus dem Bus raus, alle Mädels auf die rechte Seite setzen (denn da steht der Bus hoch in der Luft) und dann wird gemeinsam gedrückt. Mit ein bisschen Teamwork und ein paar Steine unter den Reifen steht der Bus ein paar Minuten später auch schon wieder fahrbereit auf der ‚Straße‘. Aber die Arbeit hat sich gelohnt: Wir sehen eins von den sieben Nashörnern, die es in der Maasai Mara gibt, ein paar Meter weiter von uns gemütlich grasen! Mit total vielen Eindrücken fahren wir wieder zurück in unser Lager. Und einige von uns träumten in dieser Nacht sicherlich von Nashörnern und Löwen…

(Michelle) Und ehe man sich versieht, sind schon fast zwei Wochen dieser einzigartigen Zeit in Kenia vorbei.
Doch noch war das kein Grund traurig zu sein, denn viele schöne Momente lagen noch vor uns und einige von ebendiesen sollten wir in Bondo erleben. Bondo, ein Ort, der sich über mehr als 30 Kilometer streckt und im Prinzip aus unendlich vielen einzelnen Hüttengemeinschaften und Familien besteht. Und hier, wo auch Dan aufgewachsen ist, sollten wir endlich einmal erleben, wie das Leben fernab der kenianischen Großstädte – die ja keinem von uns so recht gefielen – funktioniert.
Vielleicht sollte ich das „hier“ einmal beschreiben: Der Teil des Dorfes, in dem wir uns befanden, bestand aus fünf kleinen, runden Lehmhütten mit Strohdächern. Dazwischen noch ein Maisfeld, ein Verschlag für die Ziegen und einige grasende Kühe. Sonst nichts. Ein herrlicher Gegensatz zu den lauten und schmutzigen Städten!

Und ehe wir uns versahen, waren wir mitten drin im echten afrikanischen Leben: Die Frauen des Dorfes begrüßten uns mit afrikanischen Tänzen und Gesängen – wir tanzten mit und strahlten über beide Ohren, denn mit einem so herzlichen Empfang hätten wir nicht gerechnet! Und genauso, wie unser erster Abend in Bondo anfing, gingen auch die übrigen Tage weiter. Wir verbrachten viel Zeit mit Dans Familie, sei es bei den gemeinsamen Mahlzeiten, während der afrikanischen Tanzstunden am Nachmittag oder auch beim Kühe melken und Vorbereiten des Frühstücks, denn schließlich wollten wir alle lernen, wie man Mandazi zubereitet.
Und auch ansonsten setzte Dan alles daran, uns so viel wie möglich von seiner eigenen kleinen Welt zu zeigen: Wir bestiegen den Serawongo, einen nahen Berg mit toller Aussicht auf Bondo und den Victoriasee, den wir am nächsten Tag auch stilecht mit einem Boot befuhren und in dem wir uns – trotz angstmachender Bilharziose-Warnungen! – sogar badend vergnügten, ein Traum! Außerdem besuchten wir Dans ehemalige Grundschule, um dort einige Bäume zu pflanzen, was wir übrigens auch in seinem Heimatdorf taten.
Doch war all dies, die enorme Gastfreundschaft und all die Mühen, mit denen man versuchte uns so viele Eindrücke wie möglich zu mit nach Deutschland zu geben, anscheinend noch nicht genug, denn als größte nur denkbare Ehre schlachtete man mit unseren tatkräftigen Hilfe einen Ziegenbock für uns…
… Und dann war unsere Zeit in Bondo auch schon vorbei und zurück ging es ins lärmende Nairobi, von wo aus es weiter nach Mombasa gehen sollte. Der Abschied von Dans Familie (besonders von Emma, dem hinreißendsten kleinen Mädchen in diesem Universum!), die uns in dieser kurzen Zeit so ans Herz gewachsen war, fiel uns schwer und so sahen wir den strohbedeckten Dächern der Lehmhütten noch lange hinterher, auch wenn sie längst schon hinter all den Bäumen und Sträuchern verschwunden waren.

(Birte) … und als nächstes… Tiwi Beach
Unser Plan, den Tag in Mombasa zu verbringen, fiel Buchstäblich ins Wasser. Hallo, sonnigste Stadt Kenias im fast schon monsunartigen Regen. So hieß unsere nächste – und wie wir auch schlagartig feststellten – letzte Station Tiwi Beach.
Was uns hier erwartete, erinnerte uns an Südseebilder, Bountywerbung und an das Paradies höchstpersönlich. Weißer Sandstrand, die Küste umsäumt von Kokospalmen und 50 Meter vom türkisfarbenen indischen Ozean entfernt unser Campground.
Hier verbrachten wir unsere letzten beiden Tage mit schwimmen, schnorcheln, Strandspaziergängen, Muscheln sammeln, Sandburgen bauen und Entspannung.
Eine große Freude für uns war der Besuch von Miri aus dem Stamm der Normannen in Berlin, die zurzeit in einer Schule in Mombasa arbeitet.

rechts Jochen, links der Busfahrer Sam

Wir aßen frische Kokosnüsse direkt vom Baum, konnten in den Bäumen und auf der Wiese Affen beobachten und auch so manch andere interessante Tiere wie zum Beispiel ein Käfer, der fast so groß wie meine Hand war, Feuerfische und beim Schnorcheln sogar eine Muräne. Außerdem Felder voller Seeigel, in die sich auch so mancher Fuß verirrte. Hier standen frischer Fisch und Tintenfisch auf unserer Speisekarte, sowie Reis und Gemüse für die Vegetarier.
Am 17.10. traten wir nachmittags den Rückweg nach Mombasa und damit auch unseren Heimweg an. Nach einem letzten Essen mit Dan, Titus, Steve und Dan, sowie mit Ugali, Scumawiki, Süßkartoffeln und Chapati, gab es am Flughafen einen herzlichen Abschied von unseren lieben kenianischen Freunden, die wir allesamt tief in unser Herz geschlossen haben.
Hier endet nun eine sehr eindrucksvolle, interessante, tief bewegende, aber auch sehr lustige und fröhliche Reise in ein Land, welches mit unserem Zuhause nicht vergleichbar ist, uns aber alle in seinen Bann gezogen hat und wohin der ein oder andere mit Sicherheit zurückkehren wird.

(Victoria) Doch die eigentliche Arbeit von Cadamic, und somit auch die Arbeit, die wir unterstützen und wegen der wir wirklich in Kenia waren, beschäftigt sich mit Kindern und Jugendlichen. Von denen manche in Slums leben, auf der Straße, in Baracken. Die nicht genügend zu Essen haben, geschweige denn sauberes Wasser oder ein Dach über dem Kopf. Deren Familien sich Schuluniformen, Hefte und Bücher kaum leisten können. Diesen Kindern wird von Cadamic nicht nur Schulmaterial zur Verfügung gestellt, sondern durch die Schulspeisungen auch zumindest eine Mahlzeit am Tag gewährleistet. Und wegen genau dieser Kinder waren wir in Kisumu. Wo wir, wie uns später klar wurde, Erfahrungen machen und Momente erleben sollten, die uns noch lange prägen werden.

Unsere erste Begegnung mit einer Schule und vor allem mit deren Schülern hatten wir allerdings viel früher, nämlich bereits an unserem ersten Tag in Nairobi. Denn die Nächte in der kenianischen Hauptstadt verbrachten wir in Räumen der St. Benedict’s Primary School. Und direkt bei unserer Ankunft hatten wir die kenianischen Kinder schon ins Herz geschlossen. Kaum war unser grellbunter, gemütlich enger Hakuna Matatu um die Ecke gebogen, liefen uns winkende, jubelnde, schreiende, lachende Kinder nach, die schier überwältigt waren, als wir schließlich näher kamen, mit ihnen redeten, sangen und sie anlächelten. Schon dieser erste Moment war atemberaubend und in den abendlichen Reflektionen wurde seitdem häufig die Vorfreude auf die Kinder in Kisumu deutlich, die wir hoffentlich auf Augenhöhe erreichen und denen wir vielleicht sogar ein wenig Freude bringen konnten!

Um einige Tage ärmer und einige afrikanische Erlebnisse reicher, führte uns der Weg zur ersten von Cadamic betreuten Schule dann durch einen der Slums von Kisumu, was an sich schon eine schockierende und sehr krasse (leider gibt es kein treffenderes Wort) Erfahrung darstellte. Zwar kennt man Bilder, Filme und Beschreibungen über afrikanische Armenviertel. Doch mitten hindurchzulaufen, dreidimensional, real, durch dreckige, schlammige, vermüllte, stinkende Straßen, vorbei an Wellblechhütten, Menschen in zerrissenen Kleidern und ohne Schuhe, halb verfaultem Fisch in der prallen Sonne – das war für uns alle radikal anders als jeder noch so kritische und realistische Dokufilm zuhause auf der Couch. Und dann tauchte vor uns eine kleine Wellblechhütte auf – welcome to Kasarani Nursery School. Hier wurden und werden über 80 Kinder aus vier Klassenstufen von zwei Lehrern gemeinsam unterrichtet, an kleinen Holzbänken im Dreck und im Halbdunkeln. Kinder, die nicht gesund aussehen, zu große Kleidung tragen und abgemagert sind, deren Elend man ihnen ansieht und sich trotzdem nicht im Geringsten ausmalen kann. Aber gleichzeitig auch Kinder, die uns mit grinsenden Gesichtern und glockenhellen Stimmen begrüßten – „Good morning, visitors, how do you do? I’m fine!“ – ein überwältigender Augenblick. Zwar waren die Kinder so sprachlos beim Anblick von 27 Mzungus, dass wir mit ihnen nicht so richtig ins Gespräch kamen, jedoch halfen uns einige Tonnen grüner Luftballons dabei, das Eis zu brechen (eher eine unpassende Redewendung im Bezug auf eine Stadt, die auf dem Äquator liegt, aber was soll’s!) und 80 kleine Menschen glücklich zu machen. Und es gibt kaum ein besseres Gefühl!

Noch vollkommen mit uns selbst und den unvorstellbar gegensätzlichen Erfahrungen beschäftigt, wurden wir in der Bonde Kakoko Primary School etwas außerhalb von Kisumu schon von einigen Scouts erwartet, die uns Lieder, Tänze und Drills vorführten und ihre Campgrounds zeigten. Auch wurden einige Reden gehalten, doch all dies überforderte uns zu dem Zeitpunkt ein wenig, da die Erlebnisse vom Vormittag noch nicht recht verarbeitet waren.

Schüler in Ogango

 

Irgendwann ging es dann komplett matschbanana zur letzten Schule, der Ogango Primary School. Auf dem Weg dorthin fühlten wir uns alle müde, leer und geflasht zur selben Zeit. Doch ebendiese letzte Schule war das, was wir alle gebraucht hatten, um uns wieder besser zu fühlen. Denn hier wurden wir nicht nur empfangen wie Tokio Hotel, wenn sie auch noch Fußballstars wären und am besten gleichzeitig irgendeine bahnbrechende Entdeckung gemacht hätten: von hunderten grinsenden, jubelnden und uns abklatschenden Kindern, die sich um uns und unseren Bus drängten wie um das achte Weltwunder. Sondern hier kamen wir auch endlich an sie ran. Wir spielten mit ihnen, ganz verzückt davon, wie hunderte von kleinen Menschen in blauweißen Schuluniformen einem Ball oder einer Frisbeescheibe so freudig hinterherjagen konnten. Wir verausgabten uns, lernten afrikanische Tänze und hatten einfach riesengroßen Spaß mit wundervollen Kindern. Von denen uns der Abschied besonders schwer fiel. Aber schließlich kehrten wir am nächsten Tag noch ein zweites Mal hierher zurück, um einige Ziegen an die ärmsten Familien zu übergeben. Und dieser zweite, leider auch letzte Besuch wurde, wenn möglich, sogar noch besser als der erste. Denn man sah den Kindern die Freude in den Augen an, als wir mit ihnen Big Fat Pony, Funky Chicken und random stuff like that spielten. Und umgekehrt sah man uns die Freude in den Augen an, als wir umringt von jubelnden und kreischenden Jungs und Mädels tanzten und sangen und völlig ohne Berührungsängste mit eben diesen herumalberten.

Apropos tanzen – die erste Schule, die wir an diesem Tag besucht hatten, um Ziegen zu übergeben, lag auf dem Gelände eines Gefängnisses und hieß Kodiaga Primary School. Und auch hier wurde uns zwar vieles vorgeführt, jedoch mit dem Unterschied, dass wir zum Mittanzen aufgefordert wurden. Was den Afrikanern beim Anblick der mehr oder minder unrhythmisierten Mzungus die Mundwinkel nach oben und uns den Schweiß auf die Stirn trieb. Hat aber einen Heidenspaß gemacht.
Auch einige Tage später besuchten wir noch eine Schule, die Serawongo Primary School in Bondo, die Dan selbst als kleiner Junge besucht hat. Auch hier spielten wir mit den Kindern, sangen mit ihnen und überraschten sie mit Luftballons, außerdem pflanzten wir ein paar Bäume. Genau wie in allen anderen Schulen waren die Kleinen hellauf begeistert, wenn jemand eine Kamera zückte und sie fotografierte. Und noch hellauf begeisterter, wenn man ihnen danach das Foto zeigte, auch wenn manchmal nur aufgeregt winkende Hände zu sehen waren. Wieder einmal ein Beispiel dafür, wie spannend und ungewohnt hier viele Dinge sind, die für uns selbstverständlich sind. Und wie einfach man den Kindern eine enorme Freude machen kann.

So geschah es auch, als wir während unserer Bootstour auf dem Victoriasee an zwei Inseln hielten – unzählbar viele Kinder stürmten herbei, begrüßten uns („Mzungu, how are you, I’m fine!“ – ein Satz, der uns so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird, und bei dem wir uns mehr als einmal gefragt haben, wie „fine“ es den Kindern wirklich geht), wollten uns anfassen, abklatschen und fotografiert werden.

Die letzte Schule auf unserer Reise lag in einem Slum in Nairobi und beeindruckte uns erneut auf andere Weise. Denn es war eine Behindertenschule, für geistig und körperlich Behinderte sowie Blinde und Taube. Eine Schule, die mehr ist als eine Schule, da sie gleichzeitig auch die einzige Anlaufstation für diese Kinder darstellt, die es im Slum sogar noch schwerer haben als „andere“. Und abermals eine Schule, in der es an allem fehlt, und in der wenige Menschen unsagbar viel gute Arbeit machen!

Und selbst wenn ich nun, immerhin über zwei Wochen später, auf diese Besuche (nein, ich will sie nicht Besuche nennen, das klingt so steril. Lieber Begegnungen!) zurückblicke, dann bin ich immer noch überwältigt. Von dem krassen Gegensatz zwischen Armut, die einen zum Schlucken bringt, und Lebensfreude, die einen zum Nachdenken bringt. Über die Schatten- und die Sonnenseiten, die so dicht beieinander liegen. Darüber, womit die Menschen, und vor allem die Kinder, hier zufrieden sind, was sie glücklich macht, wie einfach man sie begeistern kann und wie nah wir an sie rankamen. Und vor allem wie nah sie an uns rankamen. Denn in einem Punkt bin ich mir sicher, diese Erinnerungen werden für immer an einem festen Platz in meinem Kopf wohnen, in meinem nach dieser Reise ohnehin recht überfüllten Kopf.

Die Erinnerung an Kinder, die mit einem ernsten Blick darum gebeten haben, dass wir sie mit nach Deutschland nehmen, Kinder, die nur winzig kleine Perspektiven haben. Aber auch die Erinnerung an kleine Kinder mit Bechern in der Hand, aus denen Porridge dampft, und einem Lächeln im sonst so ernsten Gesicht. Die Erinnerung an einen Jungen in rotem T-Shirt, vielleicht 3 oder 4 Jahre alt, der sich plötzlich von hinten auf mich wirft und mir grinsend die Arme um den Hals legt. Die Erinnerung an aus voller Kehle „How are you“-brüllende, nicht mal meterhohe Wesen, denen gar nicht bewusst ist, was sie in uns auslösen. Die Erinnerung an einen Spaziergang über eine Insel, mit drei Kindern an jeder Hand, die sich mit ihren winzigen Fäusten an meine Finger klammern und ehrfürchtig und stolz in mein Gesicht blicken. Die Erinnerung daran, wie ich gerührt und sprachlos zurückblicke. Die Erinnerungen an Momente, in denen mir die Tränen kamen und an Momente, in denen ich übers ganze Gesicht strahlen musste – hautnah beieinander.
Die Erinnerungen an die Kinder von Afrika.

Watoto Kabisa!

 

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Comments
2 Responses to “Karibu Kenya!!”
  1. Einfach super interessant was ihr alles so erlebt habt. Ich freue mich schon auf „Neues“

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  1. […] da unsere Keniafahrt eine sehr sehr erwähnenswerte Aktion ist, findet ihr unter https://spliss.wordpress.com/2011/11/04/keniafahrt_11/ ab sofort einen spannenden Artikel über Kenia und die Stationen unserer Reise, bestehend aus […]



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